Inselgeschichte(n)

Ile-à-Vache – Geschichte und Geschichten

Ile-a-Vache Haiti Map

Di 9.2. – Do 11.2.2016: Der Tag vergeht mit Schwimmen, schreiben, waschen und am Abend essen wir dann in großer Runde in einem kleinen Restaurant neben dem Community-Center Langusten: drei französische Paare, die auch hier auf Durchreise sind – und an unserem Tisch nehmen noch Jean-Luc und seine Frau und ein Freund der beiden Platz.

Als Beilagen serviert die Köchin ganz dünne, kleine Pommes, fritierte Kochbananen, fritierte Brotfruchtplätzchen und mit Chilischoten versetzten Kohl-Karotten-Salat. Wir genießen das gute Mahl  – und den Austausch: Jean-Luc und seine Frau sind vor 18 Jahren zum ersten Mal auch mit dem Boot auf die Ile-à-vache gekommen und immer wieder hierherzurückgekommen. Ihr Sohn ist sogar eine Zeitlang in Caye Coq zur Schule gegangen. Vor fünf Jahren haben sie ihr Boot verkauft, mit dem sie jedes Jahr von Martinique hier hergesegelt sind und sich hier ein kleines Haus gebaut, in dem sie jetzt etwa vier Monate pro Jahr verbringen. Sie kennen sich aus – und können die tollsten Geschichten erzählen. Zum Beispiel die Pleite mit den öffentlichen Wasserstellen: Überall im Dorf sind sie zu finden.

Nur leider kann man an den Hähnen drehen so viel man will, Wasser kommt nicht heraus. Aber als Ex-Präsident Martelly vor gut einem Jahr das Dorf besuchte – und unter anderem das Community Center besichtigte, das in seiner Amtszeit gebaut wurde, lief das Wasser für zwei Stunden – bis er wieder weg war.

Des Rätsels Lösung: Das Abacca Bay Ressort mit dem Traumstand dreht dem Dorf einfach das Wasser ab – der Besitzer ist einer ehemaliger hoher Polizeibeamter, Freund des Ex-Präsidenten Aristide und offenbar noch heute recht einflussreich. Für die Dorfbewohner heißt das: weite Wege in Kauf nehmen für einigermaßen genießbares, nicht versalzenes Wasser. Auch wir müssen irgendwann zu der einzigen guten Wasserstelle des Dorfes pilgern, denn das Wasser im letzten, noch vollen Tank von Boteke ist zumindest für den morgendlichen Tee bzw. Kaffee zu chlorhaltig.

Jean Luc und seine Frau lassen sich sogar Wasser aus Les Cayes in Kanistern bringen, weil eine Untersuchung der Wasserstellen im Dorf ergeben hat, dass alle mehr oder weniger bakterienverseucht sind. Wir aber kochen es ja – und die Wasserstelle oben im Wald ist wohl eh nur gering belastet.

Mittwoch ist dann ein wunderschöner Tag  – und ich laufe am Strand entlang, schaue den Jungs beim Fischen zu.

Ich bin auf der Suche nach einem Café hinter dem Hospital, von dem die durchreisenden Franzosen gestern erzählt haben – und ich werde fündig.

Zu meinem Kaffee bekomme ich noch einen kleinen Hefter auf den Tisch gelegt – und neben den Infos zur Unterkunft und der Speisekarte erfahre ich auch, dass wir in der Bucht ankern, in der auch Pirat Henry Morgan jahrelang sein Hauptquartier hatte (oben links)

Mal auf eigene Rechnung, mal im Auftrag seiner Majestät des Königs von England hat Morgan von Ile-à-Vache aus die spanischen Galeonen auf ihrem Weg von Panama nach Kuba ausgeraubt. Später brachte er es bis zum Gouverneur von Jamaica.

Ich erkunde nach Kaffee und Geschichtsstunde den Südwest-Zipfel der Insel, der nicht schöner – aber auch nicht heißer –  sein könnte als heute bei diesem irren Licht.

Irgendwann endet meine Tour am Strand entlang aber in den Mangroven und ich muss einen ganz schönen Umweg um den auch auf der alten Karte sichtbaren See herum machen, der sich inzwischen einen Ausfluss ins Meer geschaffen hat. Immer wieder begleiten mich dabei Kinder oder junge Mädchen, die mir mit viel Gekicher den Weg zeigen – und mich auch breitwillig fotografieren.

Endlich im Abacca Bay Ressort angekommen, das dem Dorf ja frecherweise den Wasserhahn zugedreht hat, gibt es heute weder Wasser noch Internet, weil es keine Übernachtungsgäste gibt … und es sich nicht lohnt für die Bediensteten den Generator anzuschmeißen, der all diese Wohltaten möglich macht. Eine gekühlte Coca-Cola aber haben sie für mich und nach einem kurzem Bad im Meer geht es zurück ins Dorf, wo das Energieproblem zumeist mit mehr oder weniger großen Solarpaneelen plus Autobatterien angegangen wird.

Die Wege im Dorf sind in der Nacht größtenteils auch durch neue Lampen erleuchtet, die mit Sonnenenergie funktionieren.

Noch ist es aber hell genug, dass spielende Kinder unterwegs sind. Sie sind wahre Meister im “Reifen-laufen-lassen”, ihrer Lieblingsbeschäftigung, und beweisen darin größte Ausdauer.

Am späten Nachmittag genieße ich dann von Boteke aus noch das tolle Panorama, das sich uns vom Boot aus Richtung Nordwesten bietet.

Ile-a-Vache Haiti22

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2 Kommentare

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  1. Henry Morgan ist übrigens aktuell ein US-amerikanischer Pathologe in der Serie FOREVER: Dr. Henry Morgan, auf einem seiner eigenen Sklavenschiffe vor 200 Jahren angeschossen und dadurch unsterblich 🙂 jetzt als Arzt in der Morgue für das NYPD tätig – schöne Verbindung, oder? LG, Peggi

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  2. du wirst wohl bald wieder im dbyc sein. da der märz fortschreitet. Dannbin ich gespannt aufDeine ausführlicheren Berichte, vorallem über Cuba.
    Herzlich Frank vom DBYC

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