Au Revoir Haiti

Abschied von Haiti – auf nach Kuba

12.2.-15.2.2016: Freitagabend essen wir alle zusammen bei Ruth. Sie hat am Ufer ein kleines Restaurant und serviert uns gegrilltes Hähnchen mit Reis, scharfem Kohl-Karottensalat, etwas Gemüse, Süßkartoffel-Fritten und frittierten Kochbananen.

An unserem Tisch sitzt auch noch Kai, der mehrere Jahre in Haiti als Entwicklungshelfer gearbeitet hat und das Land und seine Leute liebt. Er hat sich das süße, kleine Mädchen geschnappt – eine so genannte „restavek“ (elle reste avec XY). Das sind Kinder, die von ihren Müttern weggeben werden, weil sie sie nicht ernähren können. Das Mädchen hat zusammen mit ihrer älteren Schwester Aufnahme bei Ruth gefunden – und sobald sie groß genug sind, um im Haushalt zu helfen, müssen sie das tun. Ich hoffe, dass die Kleine später mal in die Schule gehen kann und nicht wie eine kleine Haussklavin leben muss wie wohl manche „restaveks“ in Port-au-Prince.

Haiti Port-au-Prince 1Am nächsten Morgen heißt es Abschied  nehmen von Jan, der Ende kommender Woche mit einem kleinen französischen Boot direkt nach Cienfuegos segeln will – genau dahin, wo ich auch hin wollte, nur leider ist das viel zu spät für mich. Didier, Carine und ich werden schließlich gegen neun Uhr von einem Motortaxi am Boot abgeholt und dann geht’s auf nach Les Cayes. Diesmal gelingt es mir die Ankunftsstelle zu fotografieren  – mit all den Trägern, die bereits auf uns warten.

20160213_121812Von unserem Motortaxi steigen wir noch um in ein kleines Ruderboot und dann geht es die letzten Meter durch das Wasser wieder Huckepack. Mein Seesack kommt auch in Nullkommanix an Land und ein Motorradfahrer nimmt ihn vorne über die Lenkstange, während ich mit meinen grüngrauen Rucksack auf dem Rücken hinter ihm Platz nehme. In schneller Fahrt geht es durch Les Cayes zu “Transports Chic”, wo Pepe das Ticket nach Port-au-Prince für mich ersteht. Etwa neun US-Dollar kostet die etwa vierstündige Fahrt. Das Gepäck wird auf dem Dach unter einer Plane verstaut und dann geht es in schneller Fahrt durch Dörfer und Hügel und immer wieder am Meer entlang Richtung Hauptstadt. Teilweise regnet es – und andere reisen nicht ganz so bequem wie ich.

In Port-au-Prince rufen sie an der Busstation extra für mich ein “taxi-machine” – kein Motorradtaxi sondern einen uralten Daimler, der mich zu meinem vorgebuchten “Seven Stars Hotel” bringt: Sehr angenehm bei dem Gewühle, das hier herrscht und außerdem bekomme ich gleich eine politische Lehrstunde: Der Taxifahrer meint, dass es gut ist, das Martelly nun nicht mehr im Amt ist. Für ihn ist Martelly der König der Diebe. Alle Präsidenten, so meint er, hätten sich auch aus der Staatskasse bedient, aber Martelly, das wäre doch der Gipfel gewesen. So beziehe man Öl aus Venezuela, aber Martelly hätte den Venezolanern keinen Pfennig bezahlt, die Zahlungen immer nur rausgeschoben und stattdessen für sich und seine Kinder Geld ausgegeben, ihnen sogar Hubschrauber gekauft. Die immensen Schulden in Caracas, die die Regierung bald einfordern werde, weil es ihnen jetzt schlecht gehe in Venezuela, müssten nun noch seine Enkelkinder bezahlen – so der Taxifahrer, der sich gar nicht mehr einkriegt.

Vor dem Hotel steht dann ein Wachmann mit Maschinengewehr, ich bezahle an der Rezeption und installiere mich dann ersteinmal. Das Zimmer ist eigentlich ganz nett, aber wenn die Klimaanlage nicht an ist, riecht es total unangenehm. Außerdem könnte man für 53 Euro die Nacht eigentlich auch erwarten, dass die Dusche einen Duschkopf hat, aber ehrlich gesagt bin ich froh, dass es überhaupt fließend Wasser gibt. Nach Wochen auf einem Boot mal wieder ein ganzes Zimmer für mich allein – mit Bad. Nach einer schnellen Dusche suche ich gleich den hoteleigenen Beauty-Salon auf und lasse mich verwöhnen.

Haiti Port-au-Prince 9Während in der Rezeption und im Restaurant den ganzen Nachmittag und Abend die Senatsdebatte über die Wahl des Übergangspräsidenten läuft, schalten die Damen zwischen einer amerikanischen Uralt-Serie und den Live-Übertragungen von Shalom-TV hin und her.

Ein charismatischer Priester einer evangelikalen Sekte verspricht den Gläubigen, die in einer großen Arena versammelt sind, Gottes Heil und Hilfe – für viele Haitianer ein Rettungsanker ohne den sie das harte Leben wohl gar nicht aushalten würden…

“Pancakes” gibt es am nächsten Morgen zum Frühstück leider nicht, aber Rührei mit Speck ist für mich eine gute Alternative während die indische Großfamilie am Tisch neben an mit großem Appetit die Spaghettis verspeist.

Im Beauty-Salon, der auch am Sonntag offen ist und in dem großer Andrang herrscht, lasse ich mir dann noch die Haare schneiden. Für die Friseurin eine ganz andere Herausforderung als das, was sie normalerweise macht – komplizierte Flechtarangements oder aus Locken glatte Haare machen –  aber das Ergebnis bei mir ist durchaus zufriedenstellend!.

Als ich im Restaurant dann mein Sandwich (pas de fromage) esse, lauschen alle gebannt der Ansprache des spät in der Nacht noch gewählten Übergangspräsidenten.

Haiti Port-au-Prince 8Am Montagmorgen geht es dann nach dem Frühstück gleich zum Flughafen – und da gelingt es mir auf dem Weg tatsächlich noch einen dieser bunten Busse zu fotografieren.

Auch die Taxis sehen so aus – “taptap” genannt.

Am Flughafen dann die Überraschung, nachdem ich bereits meinen Seesack eingecheckt habe, die Touristenkarte mit Vehemenz eingefordert und mir schließlich sogar eine Bordkarte ausgestellt wurde: Das Flugzeug kommt nicht – technische Probleme, vielleicht erst morgen, vielleicht heute Abend um 19 Uhr. Aber wir werden von “cubana” gut betreut, kommen in ein schickes Hotel und kriegen dort erstmal einen Essensgutschein für unseren Lunch über 23 USDollar. Haiti lässt mich nicht gehen.

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Ein Kommentar

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  1. Dann bin ich ja mal gespannt, wie und wann du auf Kuba ankommst!!! Wie ist das W-lan Netz dort?! Alles Gute und viel Spaß weiterhin!! Grüße aus dem grauen und kalten Berlin.

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