Trinidad

Kubanischer Alltag

17. und 18.2.2016: Am nächsten Morgen wird nach dem Frühstück das ganze Haus von Dona Ramonita erst einmal in eine Chemiewolke gehüllt. Überall in Cuba sind die Zweier-Teams unterwegs, um die Mücke bzw. deren Larven auszurotten, die das Dengue-Fieber oder den Zika-Virus übertragen.

Auf diesen Zettel wird Viertel für Viertel und Straße für Straße informiert, wann die Teams vorbeikommen und mögliche Brutherde einnebeln. Sicher sehr sinnvoll, aber ich mache, dass ich wegkomme…

Alt-Trinidad

Ich streife durch das sehr überschaubare Zentrum von Alt-Trinidad und kümmere mich zunächst mal ums Internet  – und bin dann mitten im kubanischen Alltag: Schlange stehen, viel Zeit vergeuden und nicht immer kriegt man das, was man will.

Mein Handy funktioniert zwar mit Internetkarte und W-lan-Netz der staatlichen Telekommunikationsagenturen und großen Hotels  – mein Notebook streikt aber: das vorgeschaltete kubanische “Intranet” kommt mit der modernen Version von Google-Chrome meines Notebook nicht zurecht und auch die Computer-Experten in den privaten Handy- und Computershops von Trinidad konnten mir nicht helfen.

Das heißt in der Konsequenz; weniger Blogeinträge von mir, denn ich muss die Texte auf dem Smartphone eintippen oder vom Notebook im Internetcafe abtippen – beides recht mühsam.

Am Nachmittag klettere ich noch auf den Glockenturm einer ehemaligen Klosterkirche und genieße den super Ausblick über die Stadt und die nahegelegene Sierra de Escambray.

Das ganze ehemalige Klosterareal ist seit 1984 Museum – und mich hat der Name angezogen: Banditen-Museum. Wie sich herausstellt, ist es ein Museum, das den Kampf gegen konterrevolutionäre Gruppen thematisiert, die zwischen 1960 und 1965 in den Bergen der Sierra de Escambray die Soldaten Fidels bekämpften. Sie ermordeten auch zwei Lehrer, die im Rahmen der Alphabetisierungskampagne nach dem Sieg der Revolution der armen Landbevölkerung Lesen und Schreiben beigebracht haben. In zwei Extra-Vitrinen wird an sie erinnert.

Und natürlich auch an den Che, dessen Hängematte man hier als Trophäe präsentieren kann – und die “Granma”, mit der Fidel, Raul und 80 weitere Kämpfer von Mexiko nach Kuba übersetzten und den Guerillakampf gegen Diktator Batista Ende 1956 aufnahmen.

Nach dieser Geschichtsstunde setze ich mich noch vor das “Haus der Musik” und höre der Band zu, die zur Freude der Kubaner und relativ vieler Touristen dort aufspielt.

Am nächsten Tag kann ich das überall als ausgezeichnet beschriebene Gesundheitswesen Kubas testen: Ich habe eine Bindehautentzündung im rechten Auge – und werde schnell und kompetent erst in der eher schicken Klinik für Ausländer, dann aber mangels technischer Geräte dort im allgemeinen kubanischen Krankenhaus behandelt und bekomme ersteinmal TV-, Computer-, Handyverbot und eine Augenklappe für 24 Stunden, außerdem zweierlei Tropfen, eine Salbe und Tabletten. Inzwischen ist die Sache ausgestanden: Das Auge sieht wieder normal aus, ich kann auch wieder tippen und die Augenärztin im Krankenhaus in Havanna war auch sehr zufrieden.

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2 Kommentare

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  1. Liebe Annette,

    dann eben mal Gas raus!
    Wenn du es nicht machst, …..
    Genieß die Aussicht und das Leben und viele Grüße aus Berlin,
    Uschi

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  2. Hallo, Annette
    Wie gut, daß die Bindehautentzündung nicht in Haiti akut wurde. Ja das vielgerühmte Gesundheitswesen im Sozialismus!
    Die Aussicht auf weniger Blogs aus Kuba ist sehr bedauerlich, denn ich bin seit Wochen sehr begierig auf diese regelmäßige Post geworden! Super ist ja das Banditen-Museum mit der Hängematte und das schiff namens „Grandma“
    Wie mag es Euch jetzt auf der Radtour gehen? Ich bin gespannt! Liebe Grüße Munis

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