Havanna – Cuba

Die ersten Tage in Havanna

Fr. 19.2. – Mi. 24.2.2016: Die Fahrt von Trinidad nach Havanna ist sehr komfortabel – im Taxi. Bustickets gab es am Abend vorher nicht mehr – und da hat Doña Ramonita ihre Verbindungen spielen lassen – und mir für zwei CUC weniger als das Busticket eine Mitfahrgelegenheit in einem Taxi organisiert. Ich konnte so mit meinem ganzen Gepäck direkt vor der Pensiontür ins Taxi einsteigen und bin in Havanna ebenfalls bis vor die Haustür gebracht worden.

Die Casa Verde in Centro Havanna liegt in einem keineswegs besonders touristischem Viertel und nachdem ich mich in unserem Zimmer etwas eingerichtet habe, bleibt vor Gisela Ankunft noch Zeit für einen kurzen Erkundungsrundgang – drei Blocks hoch zum Malecon, Havannas Uferstraße.

Irgendwann komme ich in die Altstadt, schaffe es bis vor die Kathedrale aus spanischen Zeiten und sehe lustige Verkehrsschilder.

Immer wieder sind es aber auch die alten Schlitten aus den 50iger Jahren, die für mich zum Fotomotiv werden – und Nummernschilder, die mich an Berlin erinnern.

Im schon fast Dunkeln am Kapitol vorbei – wo die Nationalversammlung unter den Castros nur etwa zweimal im Jahr tagt und ansonsten die Akademie der Wissenschaften untergebracht ist – und dann schnell nachhause, wo ich Gisela begrüßen kann, die gut vom Flughafen in unsere Pension gekommen ist. Wir haben uns viel zu erzählen – und bleiben erstmal in der Casa Verde, unserer Pension, trinken noch ein Bier und bescheiden uns mit ein paar Sandwiches.

Stadtbesichtigung

Am nächsten Tag absolvieren wir ein straffes Programm, schauen kurz in das Foyer des schicken (nach der Revolution verstaatlichten) Bacardi-Haus, das 1930 im Art-Deco-Stil errichtet wurde,

und besichtigen im ehemaligen Präsidentenpalast, den Fidel und Konsorten Ende 1958 gestürmt haben, das Revolutionsmuseum. Schulklassen und Touristen aus aller Welt schauen sich konservierte Kampfspuren wie Einschusslöcher und die vielen Vitrinen an, die sehr ausführlich die Zeit vor dem Sieg der Revolution, die handelnden Personen, aber auch die Zeit dannach beschreiben.

Allerdings sind die Räume, die die Zeit ab etwa 1990 beschreiben, geschlossen: da muss wohl den vielen Veränderungen in Kuba Tribut gezollt werden, die Ausstellung aktualisiert und die ideologische Linie neu definiert werden.

Wir stiefeln dann noch etwas in der Altstadt herum, besuchen eine interessante Kunstausstellung, finden das Tabakmuseum geschlossen vor und besonders Gisela ist erschlagen von den Touristenmassen und den vielen Cafés, Restaurants und Läden in der Altstadt: Essen und Trinken kann man dort fast wie in Europa, aber die Preise sind entsprechend und für die meisten Kubaner unerschwinglich.

Das Land lebt mit zwei Währungen: CUC für Importwaren und als Touristenwährung und CUP als die Währung, mit der der Staat die Löhne zahlt und mit der man in den staatlichen Läden einkaufen kann. Ein Industriearbeiter verdient etwa 400 CUP (20 CUC), eine Ärztin 700 CUP (35 CUC), aber in einem neuen, schicken Restaurant kann das Essen schon mal 20 CUC pro Person kosten, etwa 20 Euro. Aber Grundnahrungsmittel und Waren des täglichen Bedarfs sind, soweit sie vorhanden sind, ausgesprochen billig weil subventioniert. Ein Kilo Reis kostet nur ein paar Cents – und in den staatlichen Läden wird man bedient.

Trotzdem versuchen dennoch fast alle irgendwie an CUC heranzukommen, um sich mehr leisten zu können: Zum Beispiel durch die Vermietung von Zimmer an Touristen, durch andere touristische Dienstleistungen etc…
Es ist ein andauernder Spagat für die Kubaner, der natürlich gewaltige Ungleichheiten in einem formell sozialistischen Staat schafft.

Festung und Malecon

Am nächsten Morgen besuchen wir die kubanische Buchmesse, die auf dem weitläufigen Areal der alten spanischen Festung gegenüber der Altstadt von Havanna stattfindet. Die Massen sind unterwegs, wir genießen erstmal die schöne Aussicht auf die vorgelagerte Festung, den Malecon und das Meer und lassen uns vor der schönen Kulisse fotografieren.

Danach schieben wir uns durch die vollen Ausstellungssäle, in denen sich die Kubaner um die Stände der vielen vor allen Dingen lateinamerikanischen Verlage drängen und vor allem Comics und andere Bücher für den Nachwuchs kaufen. Ich werde auch schwach und kaufe so einige Bücher, die heute am letzten Tag der Messe zumeist nur noch die Hälfte kosten. Auch eine Biographie über Raul Castro, die weggeht wie geschnitten Brot – und die sich als durchaus interessant entpuppt und mich bei der obligatorischen Stärkung nach dem kräftezehrenden Rundgang auch in die Kamera lächeln lässt.

Der Attraktionen in Havanna sind viele – und in den nächsten Tagen besuchen wir noch so einige – aber immer erst nach unserem guten Frühstück in der Casa Verde, unser Privatpension.

Jeden Morgen gibt es frische Früchte, Eier, etwas Käse, Kaffee mit Milch und frischen Guaven-Saft, den wir beide besonders genießen.

Wir besuchen den Park John Lennon und bewundern immer wieder die noch funktionsfähigen und auf Hochglanz polierten Oldtimer auf den Straßen.

Wir sehen uns auf dem Platz der Revolution um, wo die Konterfeis der Guerilleros Camillo Cienfuegos und Che Guevara von den Ministerien grüßen und Nationalheld José Martí vor dem Obelisken in Denkerpose herabschaut. Den Che sieht man natürlich auch tausendfach auf T-Shirts, Postkarten und sonstigen Souvenirs – aber auch mal einfach so an der Hauswand.

 

José Martí 

Und um José Martí kommen wir auch nicht herum. Wir besuchen sein Geburtshaus in der Altstadt, wo der “Apostel des Vaterlands” seine Kindheit verbracht hat. Er hat den Widerstand gegen die spanischen Kolonialherren koordiniert und entscheidend dazu beigetragen, dass die Spanier Kuba 1898 verlassen mussten – ihre letzte Kolonie in Lateinamerika. Dass die USA ihre Rolle übernommen haben, mußte er allerdings nicht mehr miterleben, denn er starb gleich zu Beginn der Kämpfe 1895. Vor jeder Schule in Kuba steht heute seine Büste und jedes Dorf hat seine Martí-Platz oder seine Martí-Straße.

Das Rum-Museum in Havanna besuchen wir natürlich auch, bekommen von einer kundigen Führerin den Prozess der Herstellung genau erklärt, ebenso die Unterschiede zwischen den verschieden lang in Eichenfässern gereiften Sorten und lernen die besten “Rum-Sommeliers” Kubas zumindest per Foto kennen.

Aber auch die Wäsche über den Altstadtstraßen schafft es in mein virtuelles Fotoalbum – und einige Fassaden, die sicher so einige Geschichten zu erzählen haben.

Schließlich essen wir noch feudal in einem Turmzimmerchen eines Hotels in der Altstadt zu Abend – von dem man an einen wunderbaren Blick hat.

Dann heißt es packen, denn am nächsten Morgen soll das Radtourabenteuer beginnen.

Advertisements

Freue mich auf Kommentare

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: