Santiago de Cuba und Guantánamo

“Die Wiege der Revolution”

Cuba_Bus_Havanna10.3. – 14.3.2016: Mit dem Bus geht es von Camagüey auf nach Santiago – eine Strecke von 328 km. In Deutschland vielleicht eine Sache von drei Stunden – hier fährt mein Taxi um 9 Uhr zum Busbahnhof, wo mein Bus um 9 Uhr 30 abfahren sollte, aber erst um 11.30 eintrudelt. Die Wartezeit vertreibe ich mir unter anderem mit dem Studium der vielen Gesundheitsaufklärungsplakate. Statt um kurz vor 16 Uhr bin ich dann (mit meinem “Che-Bus” um 18.15 in Santiago – alles in allem hat das also gut 9 Stunden gedauert – dreimal solang wie in Deutschland. Allerdings muss ich sagen, dass ansonsten die Busse zumeist pünktlich waren.

In Santiago schaue ich mir am nächsten Morgen als erstes die Moncada-Kaserne an, ein Muss für alle politisch Interessierten. Denn dort fing alles an – am 26. Juli 1953. Nachdem Diktator Battista die Wahlen 1952 auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben hatte, bei denen auch der junge Rechtsanwalt Fidel Castro einen Parlamentssitz ergattern wollte, hatten er und seine Freunde beschlossen, sich die Macht durch den bewaffneten Kampf zu erobern. In der abgelegenen Bergregion der Sierra Maestra ganz im Osten Kubas hatten sie sich daraufhin gesammelt und trainiert – und in den Morgenstunden des 26. Juli 1953 versuchten sie, die zweitgrößte Kaserne des Landes im Handstreich zu nehmen.

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Das Unternehmen scheiterte grandios, die meisten der 132 Guerilleros wurden erschossen. Nur 32 von ihnen konnten zunächst entkommen, darunter Fidel und Raul. Wenige Monate später hatte die Polizei sie alle aufgespürt – vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt, sprach Fidel die berühmten Worte in seinem Schlussplädoyer: “Verurteilt mich, das ist bedeutungslos – die Geschichte wird mich freisprechen”.

Im Museum der Kaserne werden 10 Euro fürs Fotografieren fällig – die spare ich mir und biete dagegen eine Auswahl der (kostenlosen) Revolutionsprogaganda an, die sich in Santiago an den Hauswänden findet und ein Foto aus dem Stadtmuseum, dass auch einige Guerilleros aus der Sierra Maestra zeigt.

Ansonsten ist Santiago eine schöne Stadt, die an einer grossen und geschützten Karibik-Bucht liegt und von der Dachterrasse eines schicken Hotels bezaubernde Ausblicke bietet.

Das niedrige, bescheidene Haus in der Ecke ist das älteste Haus von ganz Kuba – es wurde zwischen 1516 und 1519 von Hernán Cortéz, dem späteren Eroberer Mexikos erbaut, der gleichzeitig der erste Bürgermeister Santiagos war. An dem Platz steht auch die Kathedrale der Stadt, nicht so alt – denn immer wieder haben Erdbeben, Hurrikans aber auch Piraten die Stadt zerstört und immer wieder mußte neu aufgebaut werden.

Samstagabend gibt es auf dem Platz vor der Kathedrale ein Freiluftkonzert.

Aber Musikgruppen spielen – neben den arrangierten Auftritten in den Restaurants – auch ohne speziellen Anlass in der Fußgängerzone.

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In Santiago habe ich mich mit Mira getroffen und es macht Spaß, gemeinsam durch die Stadt zu streifen, Riesenkakteen zu entdecken, das Rum- und das Kunst-Museum zu besuchen und ein paar der repräsentativen Gebäude der Stadt zu fotografieren.

 

Ausflug zur Festung in der Bucht von Santiago

Am Sonntag machen wir einen Ausflug zu der Festung, die an der Einfahrt der Bucht von Santiago – etwa 10 km vom Stadtzentrum entfernt – im 17. Jahrhundert auf Bitten der Einwohner nach vielen Piratenüberfällen errichtet wurde.

 

Mit den Piratenüberfällen war dann Schluss – bis auf einmal, als die Wachen schliefen…

Mit dem Boot geht es nach einem kurzen Badestopp zurück in die Stadt. Die Bucht präsentiert sich weitgehend unbebaut – abgesehen von einer Siedlung und ein paar Industrieanlagen – und in herrlicher Abendstimmung.

Guantánamo – gleich zweimal

14.3. – 16.3.2016: Am nächsten Morgen geht es mit einem gut gelaunten Taxifahrer nach Guantánamo – natürlich nicht in das üble Gefängnis auf dem US-amerikanischen Flottenstützpunkt, sondern in die kubanische Stadt mit dem gleichen Namen. Mit den Taxifahrern auf Kuba unterhalte ich mich gerne – und dieser, der eigentlich Rechtsanwalt ist, fährt lieber Taxi, weil er da mehr verdient. Er klärt mich unter anderem darüber auf, dass Fidel höchstwahrscheinlich in Santiago neben dem Nationalhelden Martí begraben wird und hält den Vizeministerpräsidenten und potentiellen Nachfolger Rauls für einen Mann ohne Charisma.

Guantánamo selbst ist eine nicht-touristische Kleinstadt mit der kleinsten Kathedrale der Welt und einigen wenigen, schönen Gebäuden.

Wir übernachten etwas außerhalb in einem staatlichen Hotel, das sich durch großzügige, schön renovierte Zimmer und – wie wir am nächsten Morgen herausfinden – durch einen leider ziemlich kargen Frühstücks-”Service” auszeichnet: Kein Tee, nur Milchkaffee, ein bisschen Papaya und ein Käsebrötchen werden uns mit aufreizender Langsamkeit serviert.

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Das ebenfalls staatliche Restaurant, welches wir uns für unseren ersten Abend ganz in der Nähe aussuchen, findet wohl auch nur diejenige, die des Spanischen mächtig ist und herumfragen kann – denn die Vorhänge waren zugezogen und kein Schild, keine Leuchtreklame – nichts zeigte uns an, das man dort speisen kann.

Aber wir bekamen dort unser Abendessen und die Kellnerin konnte uns ihre ganze Aufmerksamkeit widmen, denn wie zu erwarten, blieben wir die einzigen Gäste.

Am nächsten Tag organisieren wir uns einen Ausflug zu einem Aussichtspunkt, an dem man über die Bucht von Guantánamo blicken – und in der Ferne auch die us-amerikanische Basis mit ihren diversen Installationen ausmachen kann.

Auf dem Beobachtungsturm bekommt man Ferngläser in die Hand gedrückt und ein Kubaner erklärt uns, wo sich welche Einrichtung befindet und wo der verminte Grenzstreifen ist, und dass man Camp Delta, das berüchtigte Gefängnis, nicht sieht, weil es hinter dem Hügel der vordersten linken Landzunge errichtet worden ist und nur vom Meer aus zu sehen ist.

Für die Kubaner ist die ganze Basis illegal besetztes Land – und sie fordern von den USA deren Rückgabe. Aber soweit wird Obama bei seinem mit Spannung erwarteten Besuch auf der Insel wohl nicht gehen…

Wir lassen uns noch ein paar Kilometer weiter fahren und legen uns dann an den Strand – und genießen ganz anders als die Gefangenen ein bisschen karibisches Flair.

 

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Den Tag beschließen wir mit einem Abendessen in einem besser besuchten Restaurant in der Innenstadt von Guantánamo und schauen uns im Kino noch einen netten kubanischen Film an, der im vorrevolutionären Havanna spielt: Es geht um leichte Mädchen, manipulierte Boxkämpfe, Klassenunterschiede und hinterhältige amerikanische Kapitalisten, die aber nicht triumphieren, denn es kommt ja der 1. Januar 1959.

Keine Angst, ich bin noch nicht “gehirngewaschen”!

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Ein Kommentar

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  1. Hallo, Annette
    Superschöne Bilder von Landschaften und Gebäuden und Revolutionsgeschichten . Kuba war für mich bisher etwas uninteressantes und sozialistisch graues Island. In letzter Zeit gibt es aber im TV. viele schöne Berichte über Reisen und Segeln in der Karibik und auch über Kuba.
    Deine Schilderungen über die fast täglichen Badefreuden im Meer können neidisch machen , wirklich! Du wirst das ZUsammensein mit Mira genießen, und dann die Abschlußtage am Strand mit Abschied von dieser denkwürdigen Reise, die wohl so verlaufe ist, wie du dir das vorgestellt hast. Liebe Grüße Munis

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