Obama in Havanna und die „Stones“

Krönender Abschluss einer langen Reise

21.3. und 22.3.2016: Obwohl Kuba nicht gerade eine Medien-Gesellschaft ist und die Kubaner gerade einmal dreieinhalb Fernsehkanäle haben, ist die Pressekonfernz von Raul Castro und dem amerikanischen Präsidenten in Havanna doch ein Ereignis, das viele Menschen interessiert und live im ersten Fernsehkanal übertragen wird. Wir bekommen das in einer Cafeteria kurz vor Havanna mit, wo unser Bus aus Santiago de Cuba für eine Mittagspause stoppt, der Fernseher läuft und wir einen Teil der Reden mitbekommen, bevor wir wieder in den Bus gescheucht werden. Wie wir später in der “Granma” lesen, war es ein Treffen, bei dem man zwar höflich miteinander umgegangen ist, die Differenzen neben allen Vereinbarungen, die man geschlossen hat, aber doch sichtbar blieben.

 

Am nächsten Tag hat Obama dann noch im “Gran Teatro de la Habana vor ausgewählten Zuhörern eine Rede gehalten – wir waren leider nicht dabei, haben das schöne Gebäude aber später besichtigt. Obamas Rede war wohl nicht schlecht, aber so ganz ist der Funke nicht übergesprungen – zumindest nachdem was die (Partei-)Zeitungen hier berichtet haben. Eine Entschuldigung für die über 3.000 Tote, die die von den USA finanzierten Konterrevelutionäre nach kubanischer Lesart zu verantworten haben – und ein Wort zu Guantanmo, dessen Rückgabe sich die Kubaner so sehnlich wünschen, das wäre in ihren Augen schon notwendig gewesen.

Tatsache ist, beide Nationen sind sich über die letzten Jahrzehnte so fremd geworden, dass es noch ein ganze Weile dauern wird, bis sich das kubanisch-amerikanische Verhältnis normalisiert.

Kuba_Obama_2016_4Und ob dann Fidel, Che und Camilo noch wie Götter verehrt werden, dass darf bezweifelt werden. So ist es uns nämlich vorgekommen: Der Glaube an die Revolution ist wie eine Ersatz-Religion. Wie eine Ikone hängt in vielen Wohnzimmern, die wir gesehen haben, zum Beispiel ein Bild des Che.

Der 3-Peso-Schein (moneda nacional) mit seinem Konterfei bringt angeblich Glück und wird für 1 Euro an Touristen verkauft. Und ein Taxifahrer, der die Verhältnisse auf Kuba ansonsten sehr kritisch sah, hat uns erzählt, dass es ein ganz außergewöhnliches Ereignis für ihn wäre, wenn er Fidel einmal die Hand schütteln könnte – eine große Ehre auf jeden Fall, wohl fast so etwas wie die Begnung mit einem gottähnlichen Wesen.

Die andere Seite der Medaille ist, dass ich in den sechs Wochen auf Kuba nur drei Kirchen besichtigen konnte, die anderen Gotteshäuser waren alle zu. Der christlichen Religion wird zumindest im öffentlichen Raum nicht allzuviel Platz eingeräumt.

The Rolling Stones

Götter ganz anderer Art haben wir aber in Havanna auch noch zu sehen bekommen: Die Rolling Stones haben am 25.3. 2016 ihr allererstes Konzert überhaupt in Kuba gegeben – ein historisches Ereignis.

Ein Gratis-Konzert in der Ciudad Deportiva, nachdem die Musik der Stones lange Zeit auf Kuba verboten war. Wir waren früh da, um uns gute Plätze zu sichern – und das klappte dann auch. Mick, Keith und die anderen waren alle gut zu sehen, die Show großartig – und die Rock-Opas erstaunlich fit.

Viele junge Kubaner waren da – aber auch sehr viele Touristen, aus aller Welt. Ein Amerikaner, den wir getroffen haben, hat sogar extra ein Flugzeug gechartert, um dabei zu sein – und direkt fliegen zu können!

Ein bißchen Strand habe ich in den letzten Tagen auch noch genossen, den Malecon in Havanna zum Sonnenuntergang und eine Piña Colada auf der Terrasse des Hotel Nacional, des besten Hotels in Kuba, und am Ostersonntag-Morgen noch ein letztes gutes Frühstück. Der Abschied fällt nicht leicht.

 

Kuba war auf jeden Fall ein krönender Abschluss meiner sechsmonatigen Reise…

… und ihr hättet keinen Blog gehabt, das muss an dieser Stelle jetzt endlich auch mal gesagt werden, wenn nicht meine Freundin Peggi in Deutschland Text und Fotos immer schnell und zuverlässig online gestellt hätte! Ich bedanke mich bei ihr hier ausdrücklich noch einmal öffentlich – und kann ihre Agentur nur allen anderen (Möchtegern-) Bloggern und Interessierten empfehlen.

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7 Kommentare

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  1. Elisabeth Müller-Timm 30. März 2016 — 7:55

    Liebe Annette! Ich habe deine Beiträge nicht alle gelesen, aber immer wieder mal- und finde es so toll, dass du diese Reise gemacht hast!! Ich hoffe, dass deine Rückkehr keine zu harte Landung wird! Vielleicht machst du ja noch ein Best of als Liveshow… Bis bald an bekanntem Ort! Liebe Grüße Elisabeth

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  2. Liebe Annette, liebe Peggi,
    Ich fand den Blog Klasse und habe alles gelesen!! Es war eine gute Möglichkeit, dabei zu sein!! Vielen Dank und ein gutes Ankommen!!
    Silvia

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  3. Liebe Annette, habe deine Beiträge alle gelesen und so deine Reise verfolgt. Hatte oft Lust, auch dabei zu sein, vor allem bei den Landausflügen und Abenteuern. Das wird bestimmt nicht leicht werden, wieder ein ganz „normales“ Leben zu führen, vielleicht hilft es, dass ja jetzt Frühling ist. Hoffentlich bis bald mal wieder, Gruss aus LX

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  4. Liebe Peggi
    Als Annettes Mutter möchte ich Ihnen auch sehr herzlich für die Blogs danken, denn sie haben mich mit 86 Jahren noch online gebracht! Die Aussicht, ein halbes Jahr keinerlei Kontakt zu Annette zu haben, wäre die Alternative gewesen!
    Inzwischen macht mir der Laptop sogar Spaß, das schreiben geht so viel leichter als früher auf den Maschienen.
    Die Blogs waren ja so interessant , auch durch die vielen Bilder. Ich habe wirklich Grund Ihnen zu danken
    Herzliche Grüße (obwohl wir uns nur einmal begegnet sind) Ursula Deist

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  5. Habe alles restlos gelesen, hat Spaß gemacht!!! Und jetzt auch noch die Stones kostenlos in Havanna, da werden die Kubaner bald gelernt haben wer die wahren Götter sind!! Hoffentlich krabbelt Keith in Kuba nicht wieder auf ne Palme.
    Bis zum Wochenende, Tillman

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  6. Hi,
    nun schon wieder vorbei, schade eigentlich!
    Habe mich immer über Neuigkeiten gefreut also auch von mir herzlichen Dank an Peggy.
    Obama und Stones in Cuba, was für ein krönender Abschluss.
    Ich bin Mittwoch wieder da und hoffe, dass du nicht noch zwischenzeitlich in Panama hängen geblieben bist nach allem, was ich da nach meiner Osterwoche lesen muss…
    Bis denne, Uschi

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  7. Hallo Annette,
    schön dass deine große Tour so toll verlaufen ist. Angefangen hat es ja mit mir auf der JOJO. Ich bin gerade wieder in Sines und es kommen – wie vor einem halben Jahr mit dir – große Wellen und Sturm aus Süd. Diesmal liegt die Yacht aber am Steg direkt hinter der Mole. Aber auch hier wackelt es gewaltig und zerrt an den Leinen.
    Gruß aus Portugal und alles Gute für dich
    Jochen

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